Depression & Selbsthilfe - MUT-TOUR

Depression & Selbsthilfe

An dieser Stelle werden lediglich grundlegende Dinge erläutert. Weiterführende Informationen über Depression, Selbsthilfe bzw. Maßnahmen bei den verschiedenen Unterstützern der MUT-TOUR.

Depression hat viele Gesichter

Erscheinungsbilder „der Depression“ sind extrem vielfältig. Es gibt Menschen, denen niemand von außen ansehen kann, dass sie in Wirklichkeit leiden. Dass sie „grundlos“ weinen, sobald sie zu Hause angekommen sind, dass sie nicht wissen, warum sie sich traurig fühlen, müder als andere sind und im schlimmsten Fall keinen Sinn mehr im Leben sehen. Bei weitem nicht alle Depressiven sind Selbstmord-gefährdet. Wie stark eine Depression ausgeprägt ist hängt ebenfalls von vielen Faktoren ab. Manche Depressionsformen sind so gut wie komplett heilbar – andere kann man lediglich gut in den Griff bekommen. Auch die Ursachen sind vielfältig: Einigen Menschen wurde die Neigung zu seelischen Krankheiten sozusagen in die Wiege gelegt – Depression kann genetisch bedingt sein. Andere Menschen haben etwas Schlimmes erlebt und haben in Folge dieses Traumas eine Depression entwickelt – häufig, weil es verdrängt oder nie behandelt wurde. Andere Menschen wiederum haben längere Zeit nicht auf die Signale ihres Körpers geachtet, haben sich dauerhaft überlastet oder wurden überlastet. Dies sind nur ein paar der häufigsten Depressionsgründe – das Thema ist noch lange nicht zu Ende geforscht.

Depression ist eine Krankheit. Wie viele andere Krankheiten ist auch sie unbedingt ernst zu nehmen. Das schlimmste für alle – Betroffene oder Nicht-Betroffene – ist so zu tun, als sei Depression etwas Ungeheures, Abartiges oder sonst etwas, worüber man nicht reden möchte. In Deutschland leiden ca. 4 Millionen Menschen an Depressionen. Das sind etwa 5 Prozent der Bevölkerung. Bis zum 65. Lebensjahr haben gar etwa 10 Millionen Menschen mindestens einmal an einer depressiven Phase gelitten. Noch haben viele depressive Menschen Angst, ihren Vorgesetzen, Eltern oder Freunden von ihrem Leiden zu erzählen. Sich nicht mitteilen zu können, macht die Erkrankung schlimmer – ein Teufelskreis entsteht. Sport oder sonstige Aktionen in der Natur werden kaum eine Depression heilen, aber sie können den Betroffenen auf verschiedene Weise helfen, einen Weg aus der Depression zu finden.

Mitunter ist es schwierig, zwischen ein paar schlechten Tagen und dem Beginn einer Depression zu unterscheiden. Ein wichtiges Kriterium ist dabei die Dauer der Symptome. Wenn mehrere der folgenden Anzeichen länger als 14 Tage anhalten, kann dies möglicherweise auf eine Depression hinweisen und der Betroffene sollte ärztlichen oder psychotherapeutischen Rat suchen: gedrückte Stimmung Interesse- / Freudlosigkeit auch bei sonst angenehmen Tätigkeiten, Antriebsmangel, bleierne Müdigkeit oder ungewöhnlich starker Bewegungsdrang, Ängste, innere Unruhe geringes Selbstwertgefühl, vermehrte Selbstkritik Konzentrationsprobleme, Hang zum Grübeln, Entschlussunfähigkeit, Schuldgefühle, Schwarzmalerei, Schlafstörungen oder stark erhöhtes Schlafbedürfnis. Das Gefühl, dass alles zu viel ist, „Gefühl der Gefühllosigkeit“, innere Leere Appetitlosigkeit oder übermäßiges Bedürfnis zu essen, körperliche Symptome, für die es keine organische Erklärung gibt tiefe Verzweiflung, sowie Suizidgedanken. Depressionen können sich auch vor allem durch körperliche Symptome, sogenannte somatische Beschwerden, äußern. Kopf- und Verdauungsbeschwerden, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Gliederschwere oder Rückgang der Libido können auf eine Depression hinweisen. Schwindel tritt als Symptom ebenfalls oft auf und auch Ohrgeräusche (Tinnitus) sind kein seltenes Phänomen. Stehen die körperlichen Beschwerden stark im Vordergrund, so kann dies die frühzeitige Diagnose erschweren. Depressionen geben sich oft auch in Sprache, Mimik und Gestik zu erkennen, die dann verlangsamt und erstarrt erscheinen.

Bipolare Störung
Bei der Bipolaren Störung wechseln depressive mit sogenannten manischen Phasen ab. Ein manischer Zustand äußert sich vor allem durch gehobene und überdrehte Stimmung, Selbstüberschätzung, gesteigerte Aktivität und vermindertes Schlafbedürfnis. Durch die abwechselnden Phasen befinden sich die Betroffenen in einer Achterbahn der Gefühle zwischen „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“. Manien und Depressionen können in unterschiedlich starker Ausprägung auftreten, meistens dauern die depressiven Phasen länger an.

Dysthymie
Diese Form der chronischen Depression ist durch weniger stark ausgeprägte Symptome gekennzeichnet, die dafür aber über Jahre andauern können. Die Betroffenen können ihren Alltag und die beruflichen Aufgaben meist noch mit großer Anstrengung bewältigen.

Larvierte depression
Bei dieser Depressionsform (larvieren = verstecken, verbergen) stehen Schmerzen und sonstige körperliche Symptome im Vordergrund. Sie wird daher oft erst spät erkannt.

Organische Depression
Wenn eine andere körperliche Erkrankung die Ursache der Depression ist, wie z.B. Schilddrüsen-, Nebennieren- oder Hirnerkrankungen, spricht man von einer organischen Depression.

Saisonale Depression
Diese relativ weit verbreitete Depressionsform wird auch als Winterdepression bezeichnet, da sie normalerweise in den sonnenarmen Herbst- und Wintermonaten auftritt. Neben Symptomen der unipolaren Depression treten Heißhungeranfälle und starke Müdigkeit auf. Eine Lichttherapie mit speziellen Lampen oder regelmäßige Spaziergänge bei Tageslicht können hilfreich sein.

burnout/Erschöpfungsdepression
Burnout = Depression oder eben nicht ?! Diese Diskussion wollen wir hier nicht führen. Tipps und Reflektion in Sachen Burn-Out gibt es im burn-out-forum.de. Worüber Einigkeit besteht: dass auch Burn-Out in die Depression führen kann – so gesehen, sind auch Menschen mit Burn-Out eingeladen, eine Etappe auf der MUT-TOUR mit zu fahren.

Die Ursachen einer Depression sind mindestens so vielfältig wie ihre Erscheinungsformen und Ausprägungen. Belastende Lebensereignisse, wie Trennung oder Tod von nahen Angehörigen und Freunden, Arbeitslosigkeit, hoher Leistungsdruck, soziale Isolation, finanzielle Sorgen, chronische Krankheiten, wie Krebs, Schmerzerkrankungen, Demenz, hormonelle Veränderungen im Wochenbett und in den Wechseljahren können eine depressive Episode auslösen. Dennoch reagieren nicht alle Menschen auf solche Ereignisse mit einer Depression. Das Erkrankungsrisiko hängt vor allem von biologischen Voraussetzungen (viele Fachleute gehen davon aus, dass es eine genetische Veranlagung zu Depressionen gibt) und der bisherigen sozialen Prägung ab. Depressionen treten auch häufig in Kombination mit anderen psychischen Erkrankungen, wie Angst- und Panikstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Zwangserkrankungen, Suchterkrankungen und Essstörungen auf. Je nachdem muss die Therapie dann dementsprechend angepasst und / oder ergänzt werden.

Foren und weiterführende Links

mit Schwerpunkt Depression

Es gibt drei bedeutende Foren zum Thema:

  • Mit dem schwarzen Hund leben: Wie Angehörige und Freunde depressiven Menschen helfen können, ohne sich dabei selbst zu verlieren.“ – Von erfahrenen Depressiven empfohlene, humor- und liebevolle Umsetzung als Comic
  • „Mal gut, mal mehr schlecht.“ von Nora Klein – Projekt, das durch abstrakte Bilderwelten sensible Einsichten in die Innenwelten der Depression ermöglicht (Buch/Ausstellung), https://malgutmehrschlecht.de/