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MUT-TOUR Teilnehmer, 2019

Werner fand durch seine berufliche Umorientierung neue Sinnstiftung

Du bist letztes Jahr, das erste Mal bei der MUT-TOUR mitgefahren, wie bist Du auf die Idee zur Teilnahme gekommen und was konntest Du von Deiner Teilnahme für Deinen Alltag mitnehmen?

Ich habe auf Facebook den Aufruf zur Teilnahme an der MUT-TOUR gesehen und wusste sofort, dass ich mich dort einbringen möchte: rausgehen und für ein besseres Verständnis von Depression in der Öffentlichkeit werben. Es war wie eine Selbstverständlichkeit für mich, dort mitzumachen. Für den Alltag habe ich mitgenommen, dass es, auch wenn’s mal schwierig aussieht, immer eine Lösung gibt und nichts so heiß gegessen wird wie’s gekocht wurde und ich auch mal ein bisschen in die Pedale treten darf, wenn ich meinem Ziel näherkommen will 😉.

Du hast Dich im Bereich der Selbsthilfe selbstständig gemacht, wie kam es dazu?

Nachdem mir die Diagnose “Schwere Depression” gestellt wurde, begann die Suche nach einem Therapieplatz, die ganze 8 Monate andauerte. In der Zwischenzeit ist mir die Decke auf den Kopf gefallen und ich habe nach 16 Jahren im internationalen IT-Projektvertrieb wieder angefangen, mich zu bewegen – ich begann mit Laufen, Schwimmen und Radfahren. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich die Bewegung positiv auf mein Wohlbefinden ausgewirkt hat und da dachte ich mir, wenn mir das gut tut, wird das anderen wahrscheinlich auch gut tun. Das war der Startschuss zu einer umfangreichen Trainerausbildung und der Gründung von reclaimyourself TODAY im September 2018, meinem kleinen Personal Training Unternehmen, das klassisches Personal Training auf den Säulen: Bewegung, Ernährung und Regeneration anbietet. Zusätzlich berücksichtigt es meine Herzensangelegenheit: eine Brücke zwischen Diagnose und Therapieplatz zu bauen, um Betroffenen schon vor dem Finden eines Therapieplatzes dabei zu helfen, die ersten Schritte aus dem schwarzen Loch heraus und wieder zu sich selbst zu finden sowie zurück ins Leben zu kommen. Deswegen auch der Name: “reclaim yourself”, was soviel bedeutet wie: “verlange dich selber wieder zurück”.

Wie unterscheidet sich Dein Arbeitsalltag heute von Deinem früheren?

Früher bin ich viel gereist und die direkte Wirkung meiner Arbeit war für mich nicht zu erkennen; teilweise empfand ich sie sogar als destruktiv. Zwar vermisse ich das Reisen manchmal; dafür kann ich heute Menschen dabei unterstützen, wieder besser zu leben und sehe wie diese in kurzer Zeit richtig tolle Fortschritte machen und wachsen – sowohl innerlich als auch äußerlich. Das ist sehr erfüllend und macht mich sehr dankbar!

Was hast du seither für Veränderungen an Dir wahrgenommen?

Ich bin achtsamer mit mir selbst und meiner Umwelt geworden. Auch nehme ich mir mehr Zeit für vieles, u.a. für mein eigenes Wohlergehen, und lasse auch heute viel eher mal alle Fünfe gerade sein.

MUT-TOUR Tandem-Team während Etappe, kurze Rast
MUT-TOUR Teilnehmer, 2019

Gibt es etwas das Du den Leser*innen in Bezug zu Arbeit und Psyche mitgeben möchtest?

Zwei Sachen. Erstens: auch wenn’s schwer fällt, lohnt es sich, ehrlich zu sich selber zu sein und sich dabei den eigenen unangenehmen Fragen zu stellen. Es gibt immer eine Alternative zum status quo. Auch wenn das bedeutet, wieder ganz von vorne anfangen zu müssen, weil ihr z.B. eure eigene Herzensangelegenheit realisieren wollt. Diese Veränderung kann es wert sein, wenn dadurch mehr Lebenszufriedenheit gewonnen wird; schließlich leben wir jetzt. Zweitens: “Nein” ist zwar das erste Wort, das viele gelernt haben überhaupt nicht zu mögen und dementsprechend auch ungern aussprechen, dennoch brauchen wir es, um ein Abgrenzen zu lernen. Sei es nur, um uns selbst zu schützen, z.B. wenn wir mal wieder dabei sind, noch eine weitere Aufgabe anzunehmen, obwohl wir bereits kurz vor unserer individuellen Belastungsgrenze stehen.

Welche einfachen Tipps hast du für unsere Leser?

Mein Training basiert auf den Säulen “Bewegung”, “Regeneration” und “ausgewogene und gesunde Ernährung”, wobei ich euch im Folgenden gerne zwei Tipps aus den ersten beiden Säulen an die Hand geben möchte: 

  • Bewegung: Versucht eine Bewegungsform zu finden, die euch Spaß macht und die ihr dadurch auch regelmäßig anwenden könnt – Spazierengehen ist z.B. ein toller Anfang, allein schon wegen der Bewegung und des Vitamin D. Und vielleicht entdeckt ihr dann unterwegs noch ganz andere Dinge, die euch Freude machen 😊.
  • Regeneration: Ein Dankbarkeitstagebuch kann helfen, in dem ihr am Abend reflektiert und 3 Dinge niederschreibt, für die ihr dankbar seid – das kann die nette eMail von einem Kollegen, ein schönes Bild, das sich draußen ergeben hat, oder irgendeine andere Begebenheit für die ihr dankbar seid, sein. Dadurch lenkt ihr euren Blick auf das Positive in eurem Leben.

Plant euch kleine, erreichbare Ziele für den nächsten Tag ein und feiert dann auch deren Erreichung; damit schafft ihr euch positive Erlebnisse und gewinnt Kontrolle und Vertrauen. Strukturen wie z.B.  regelmäßiges Aufstehen und Schlafengehen, also zur möglichst gleichen Uhrzeit, geben ebenfalls Halt und Stabilität.