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Nadine auf Blumenwiese, nr. 2

Jana, der Wechsel zu einer 4-Tage-Woche brachte positive Veränderung

Was bedeutet für Dich Arbeit?

Arbeit bedeutet für mich in erster Linie wirklich nur Geld verdienen. Wahrscheinlich weil ich nicht das mache, was meinem Naturell entspricht, sondern eigentlich eher das Gegenteil.

Wie kam es, dass du Dich für die 4-Arbeitstage-Woche entschieden hast?

Ich habe gemerkt, dass ich nach der Arbeit meist nicht viel gemacht habe, sondern lediglich Essen, Hinlegen und Glotzen. Ein total lethargischer Zustand. Dann brauchte ich erstmal Zeit am Wochenende, um klarzukommen. Und Montag ging es von vorne los. Bildlich gesprochen fühlte es sich so an, als würde ich Montagmorgen unter Wasser gedrückt und am Freitagabend, nach Luft japsend, wieder frei gelassen werden. Wenn ich am Sonntag gerade wieder in einem normalen Atem-Rhythmus angekommen bin, ging das ganze Spiel wieder von vorne los.

Durch diese Tatenlosigkeit und das Gefühl, nichts geschafft zu haben, ergab sich eine große Unzufriedenheit. Das führte zu Gedanken, wie „was soll ich hier überhaupt noch?“ oder Aggressionen sowie Heulkrämpfen.

Das Lied von Vicky Leandros „Du weißt, ich liebe das Leben“ konnte ich auf Partys nicht lauthals mitsingen, weil es sich wie eine Lüge angefühlt hätte. Oftmals bin ich aber auch gar nicht erst auf Partys gegangen. Ich habe ungern fest zugesagt, weil ich nicht wusste, wie meine Tagesform an diesem Termin sein würde.

Dieses Gefühl des “down seins” führte mich dann dazu, für ein Jahr das Experiment der 4-Arbeitstage-Woche zu wagen. Dafür musste ich all meinen Mut zusammennehmen. Als ich meinen Chef darauf ansprach, hatte ich eigentlich nichts mehr zu verlieren, dennoch kostete es mich Überwindung von dem Standard-Modell abweichen zu wollen, da in meiner Firma eine Stundenreduzierung nicht gern gesehen war. Bislang bereue ich meine damalige Entscheidung nicht, da es mir mit einer reduzierten Stundenzahl besser geht und die Betrübtheit gefühlt um ein Vielfaches abgenommen hat. Jedoch kann ich auch nicht zu 100 Prozent sagen, ob mein damaliges Stimmungstief nur mit meiner Arbeitssituation zusammengehangen hat. Sicherlich wirkte damals auch meine Kindheitserfahrung mit einem alkoholkranken und gewalttätigen Vater auf meine Stimmung ein.

Was hast du seither für Veränderungen an Dir wahrgenommen?

Ich bin gelassener, ausgeglichener, produktiver, glücklicher, unternehmungslustiger, sozialer und ich kann aus vollem Halse singen: „Neeeein, sorg Dich nicht um miiiiiich! Du weißt, ich liiiebe das Leeeeben!“ 🙂

Wie reagiert Dein Umfeld auf Dein “Arbeitsmodell”?

Von dem Modell wissen nur meine Freunde. Meine Familie nicht, weil ich mir dann anhören dürfte, dass ich an die Rente denken sollte, und meine Mutter mich für sich dann jeden Freitag (mein freier Werktag), wie selbstverständlich, in Anspruch nehmen würde.

Nadine auf Blumenwiese, nr. 2

Hat sich seither etwas an Deinem Verhältnis zur “Arbeit” an sich verändert?

Ja, die Arbeitswoche „durchzustehen“ fällt mir wesentlich leichter.

Intrigen von Kollegen und der Chefetage untereinander, nehme ich nicht mehr richtig ernst bzw. kann mich besser davon abgrenzen. Vorher hatte ich mir das eher zu Herzen genommen, aber nun habe ich den nötigen Abstand. Ich kann gedanklich aus der Situation von außen drauf gucken und es als unnütz empfinden.

Gibt es etwas das Du den Leser*innen in Bezug zu Arbeit und Psyche mitgeben möchtest?

Ich würde jedem Lesenden, der/die eigentlich Vollzeit arbeitet, eine 4-Tage-Woche wünschen!!! Natürlich, weiß ich aber auch, dass viele Leute eher einen 2. und 3. Job annehmen müssen, um über die Runden zu kommen. Für mich persönlich geht das gar nicht, da es Menschen an ihre Belastungsgrenzen führt und dadurch auch ein freundliches Miteinander auf der Strecke bleibt. Das merke ich an mir selbst. Ich bin nicht mehr ganz so geizig und verbissen mit meiner freien Zeit. Dadurch helfe ich auch mal dem ein oder anderen Mitmenschen und lasse mich dabei in aller Seelen-Ruhe in einen Plausch verwickeln. Dazu frage ich auch öfter nach, ob ich jemandem helfen kann.