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Mitfahraktion des Tandemteams Nord der MT 2019

Kim lädt dazu ein, Fragen zum Thema psychische Gesundheit zu stellen

Wie bist Du zur MUT-TOUR gekommen und was ist die Motivation Deiner Teilnahme?

Ich bin vor ca. zweieinhalb Jahren, während ich im Internet zum Thema “Depression” gestöbert habe, auf das Projekt gestoßen. Das war zeitlich kurz nach meiner Klinikentlassung nach vier Monaten Aufenthalt. Spätestens dann hatte ich die Missstände im Umgang mit psychischen Erkrankungen wahrgenommen und für mich entschieden, dass ich einen Beitrag zur Aufklärung und Entstigmatisierung leisten möchte. Dies ist auch nach wie vor meine Motivation, da wir leider von einer Normalisierung der Thematik noch weit entfernt sind.

Welche Erfahrungen hast Du mit dem Thema Depression gemacht?

Im Alter von ca. 17 Jahren fing alles an und dann bestimmte die Depression fünf Jahre lang den Großteil meines Lebens. Konkret bedeutete das für mich, jeden Sommer von einer depressiven Episode eingeholt zu werden. Erst durch meinen zweiten Klinikaufenthalt schaffte ich es, das Blatt zu wenden. 

Was hat dir in depressiven Phasen geholfen?

An erster Stelle möchte ich hier die vielen guten Gespräche mit meinen Mitpatient*innen erwähnen. Der Austausch mit ihnen war für mich sehr wertvoll. Dieses Gefühl des Nicht-Alleine-Seins empfand ich als enorm wichtig für das Überwinden meiner Depression.  Dazu kommen Familie und Freunde, die für mich da waren und mir gezeigt haben, dass ich es wert bin. 

Was können Familie und Freund*innen tun, um Dich in derartigen Phasen zu unterstützen?

“Einfach da sein” ist aus meiner Erfahrung glaube ich der beste Ratschlag für Freund*innen und Familie. 

Mitfahraktion des Tandemteams Nord der MT 2019
Team Nord der MUT-TOUR 2019

Du unterstützt derzeit eine Corona-Ambulanz. Kannst Du uns erzählen welchen Effekt die Arbeit auf dein momentanes Wohlbefinden hat?

Ich habe das große Glück in dieser Zeit einer sinnstiftenden Arbeit nachgehen zu können und noch dazu in einem tollen Team zu arbeiten. Mein Wohlbefinden wird dadurch nicht maßgeblich beeinflusst, dennoch ist es ein schönes Gefühl, in Zeiten von Covid-19 aktiv mithelfen zu können.

Würdest Du sagen, dass Deine eigene Depressionserfahrung Deine Tätigkeit dort in irgendeiner Art und Weise beeinflusst?

Allgemein kann ich sagen, dass mich meine Depressionserfahrung erst in die medizinische Richtung gestoßen hat. Daher würde ich auf jeden Fall sagen, dass meine Arbeit in der Corona-Ambulanz und im Rettungsdienst sowie meine berufliche Perspektive durch diese beeinflusst wurden.

Was nimmst du Positives aus der durch Corona geprägten Zeit mit?

Ich genieße momentan die Entschleunigung. Es tut mir gut, Zeit zu haben, um mir Gedanken darüber zu machen, was mir wichtig ist und vor allem, um Zeit mit meinen Liebsten zu verbringen. Ich hoffe, dass ich es auch in Zukunft schaffen werde, mehr Zeit in meinem Terminkalender freizuhalten.