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MUT-TOUR Teilnehmer Dietmar

Sucht und Depression – Dietmar, 67, sah erst keinen Ausweg

Was sollen die LeserInnen sonst von Dir wissen?

Ich bin seit 44 Jahren verheiratet, habe ein Kind und zwei Enkelkinder. Inzwischen bin ich Rentner und engagiere mich für das Bündnis „Duisburg gegen Depression“ und den Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Duisburg-Duissen.

Was waren deine Ersten Erfahrungen mit der Depression? In Welcher Lebenslage ist die Depression bei dir zum ersten Mal aufgetreten?

Die ersten Begegnungen mit dem Thema hatte ich als junger Mann in meiner ersten ambulanten Therapie. Ich wollte nicht älter als 30 Jahre werden und mich bis dahin tot gesoffen haben. Mein Weg zum Therapeuten führte über eine Rheinbrücke  – das Wasser darunter war sehr anziehend – die ich mich dann nicht mehr traute zu überqueren. Mein Therapeut hat mich abgeholt und begleitet.

Worin siehst du die Ursachen deiner Depressionserfahrung?

Lange Zeit glaubte ich, die Ursache sei der Teufelskreis aus meiner Sucht und Grübelei. Heute ist mir die Ursache gleich, die Depression gehörte immer zu mir – sie ist ein Teil meiner Persönlichkeit, und es tut gut nicht mehr gegen diesen Teil von mir ankämpfen zu müssen.

Welche war deine größte Herausforderung in Bezug auf die Depression?

Mir einzugestehen, dass ich krank bin und Behandlung brauche. Jahrelang bin ich an der Tür des Psychiaters, zu dem ich in Behandlung wollte, vorbei geschlichen und habe mir gesagt: „Dietmar – so krank bist du doch nicht“.

Wie gehst du mit der Depression um, wenn sie erstmal da ist?

Seit meiner letzten Therapie vor 17 Jahren lebe ich sehr bewusst und achte auf mich. Heute habe ich die Sache im Griff und wenn die Depression anklopft sage ich ihr: „Dich will ich in meinem Haus heute nicht mehr haben“. Mir hilft es viel, eine Struktur zu haben und in depressiven Phasen in die Natur zu gehen – entweder mit dem Rad oder beim Wandern oder Campen.

Was können Freunde und Familie tun, um dir zu helfen?

Die größte Hilfe ist mir, wenn ich so akzeptiert werde wie ich bin. Zum Glück habe ich immer Menschen um mich gehabt, die in der Not bei mir waren und die mich gefördert haben.

Wie lautet dein “Lebensmotto” bzw. Fazit?

„Ich will leben“ – so lange es geht und so selbstbestimmt wie möglich.

Was möchtest du den Leserinnen noch mitgeben?

Heute bin ich froh, in Behandlung gewesen zu sein und in einigen Therapien den Weg zu mir selbst gefunden zu haben. Egal wie tief man fällt – eine Depression ist behandelbar und es lohnt sich immer.