Weiterführende Inhalte psychosozialer Hilfen - Virtuelle MUT-TOUR 2020

Weiterführende Infos von psychosozialen Hilfen

im Rahmen der virtuellen MUT-TOUR

Im Rahmen der virtuellen MUT-TOUR können Interessierte anhand einer virtuellen Deutschlandkarte unsere geplante Route per Mauszeiger verfolgen und entlang der Strecke psychosoziale Anlaufstellen mit deren Kontaktdetails finden. Zusätzlich stellen sich einige psychosozialen Anlaufstellen in kleineren und größeren Beiträgen vor oder berichten zu einem Thema rund um psychische Gesundheit. Alle Texte, die mehr als 1500 Zeichen umfassen sammeln wir hier in einer chronologischen Reihenfolge nach Etappentag (beginnend vom virtuellen Etappenstart in Stadthagen und endend in Regensburg).

Das Schaumburger Bündnis gegen Depression lebt den Trialog

 

Das Schaumburger Bündnis wurde 2016 von ganz unterschiedlichen Akteur*innen bestehend aus der Selbsthilfe, von Angehörigen und von beruflich Helfenden ins Leben gerufen. Gründungsanstoß gab es durch den ärztlichen Direktor der Burghofklinik Prof. Dr. Dietrich, welcher schon zuvor zwei Bündnisse gegen Depression in anderen Kommunen ins Leben gerufen hatte. Die Koordination in Schaumburg wurde vom Inklusionsnetz übernommen, mit dem Ziel, zum Thema Depression und über Wege zur seelischen Gesundheit vor Ort aufzuklären. Im Inklusionsnetz selber arbeiten Menschen mit und ohne Depressionserfahrung auf Augenhöhe zusammen und versuchen, Projekte und Öffentlichkeitsarbeit ins Leben zu rufen, die möglichst viele Menschen vor Ort erreichen. In ganz enger Zusammenarbeit mit über 40 Initiativen aus dem gesamten Landkreis entstehen so unterschiedlichste Formate der Öffentlichkeitsarbeit zu genanntem Thema. Allen Formaten ist eine „trialogische Haltung“ gemein, die versucht, die Sicht eines jeden Einzelnen dieser Gruppen aufzunehmen. Ganz praktisch sieht das so aus, dass bei grundsätzlich allen Aktivitäten, die das Schaumburger Bündnis gegen Depression ins Leben ruft, alle drei Gruppen vertreten sind und miteinander im „Trialog“ stehen. Sei es bei Lesungen von Depressionserfahrenen und anschließenden Diskussionen, bei Seminaren und Vorträgen, bei Pressekonferenzen, öffentlichen Aktionen, unseren Sport- und Achtsamkeitsprojekten oder bei ganz ausgefallenen Aktionen wie dem Tattooprojekt „Semikolon;“ oder der aktuell stattfindenden „Schaumburger Mutwochen“. Die drei beteiligten Perspektiven sind immer präsent und durchziehen die Arbeit des Schaumburger Bündnis mit einem roten Faden. Das ganz wunderbare an unserem Bündnis ist, dass trotz aller Ernsthaftigkeit und Schwere rund um das Thema Depression auch der gemeinsame Spaß an der Arbeit nicht zu kurz kommt. Wir sind ein bewegliches, kreatives Bündnis mit ganz vielen aktiven und wunderbaren Menschen, die ihr Ehrenamt, ihre Initiative und auch ihren Job mit ganzem Herzen ausüben. Das macht uns Mut, diese trialogische Haltung zu leben und ganz besonders, die Netzwerke der Selbsthilfe zu stärken und auszubauen.

Ein paar Worte aus dem Selbsthilfebereich in Coesfeld

 

Eigentlich wollten wir gemeinsam mit Anika Sievers, EX-IN Genesungsbegleiterin und beruflich Helfende im Selbsthilfebereich eine kleine Aktion gemeinsam mit der Selbsthilfe-Kontaktstelle in Coesfeld organisieren. Als kleinen Ersatz hat sie uns freundlicherweise ein paar Fragen beantwortet. Danke Anika und bis hoffentlich im nächsten Jahr 🙂

Wie sind Sie auf die MUT-TOUR aufmerksam geworden und seit wann sind Sie als Kooperationspartner aktiv?

Aufmerksam geworden bin ich 2014, weil ein Besucher aus unserer ersten Selbsthilfe-Gruppe mitgefahren ist, und uns angesprochen hat, ob das MUT-TOUR Team nicht hier in Coesfeld bei uns auf der Wiese übernachten könnten. Gehört von der Tour hatte ich aber schon 2011 im Rahmen meiner EX-IN Ausbildung

Was genau bieten Sie im Bereich der psychosozialen Versorgung/Selbsthilfe an?

Mein Partner und ich sind seit 2010 in der Selbsthilfe aktiv. Erst hatten wir 2010-2019 eine Selbsthilfe-Gruppe für Angehörige und Betroffenen Menschen zum Thema Borderline Persönlichkeitsstörung.

Aktuell haben wir eine Gruppe für Angehörige und Betroffene von Depressionen. 

Gibt es etwas was Sie unseren Lesenden mitteilen wollen?

Mir und auch meinem Mann ist es sehr wichtig, dass psychische Erkrankungen und deren Stigma in der Gesellschaft offen behandelt werden. Da ich ich als Genesungsbegleiterin hier vor Ort bei der Caritas angestellt bin, bekomme ich oft mit wie viele Menschen immer noch Angst haben ihre Erkrankung offen zu machen, aus Angst davor, dass sie nicht akzeptiert werden. Daher finden wir solche Projekte wie die Mut Tour wichtig und da sie ein klares Zeichen gegen die Stigmatisierung setzen. 

Wie empfinden Sie die Haltung innerhalb der Gesellschaft gegenüber psychischen Erkrankungen?

Wie oben schon erwähnt, muss noch viel mehr passieren, dass das negative Bild der Menschen zum Thema psychische Erkrankungen verschwindet. Es hat sich zwar verändert, aber es ist immer noch so, dass psychische Erkrankungen entweder klein geredet, oder nicht ernst genommen werden. Viele Betroffene schämen sich, weil ihn gesagt wird es sei ein Schwäche.

Darum ist so wichtig, immer und immer wieder darauf aufmerksam zu machen, das psychische Erkrankungen ernst zu nehmen sind. Und nicht mit Schwäche zu tun haben, ganz im Gegenteil. Es braucht viel Kraft sich jeden Tag aufs Neue dem Leben zu stellen und sich immer wieder auch dem Stigma der Gesellschaft auszusetzen.

AMEOS Klinikum Osnabrück stellt sich vor

 

Wie sind Sie auf die MUT-TOUR aufmerksam geworden und seit wann sind Sie als Kooperationspartner aktiv?

Eine Fotoausstellung der MUT-TOUR gegen das Stigma Depression war 2017 im AMEOS Klinikum Osnabrück zu sehen. 2018 gab es einen gemeinsamen Aktionstag im AMEOS Klinikum Osnabrück – ein Team des Krankenhauses begleitete eine kurze Etappe der MUT-TOUR. Übernachtet wurde im Krankenhaus, und vor der Weiterfahrt gab es die Möglichkeit zum Austausch mit den Teilnehmer*innen, Betroffenen und Interessierten. Seit 2019 kooperieren wir mit der MUT-TOUR als Gründungsmitglied des Bündnisses gegen Depression in Stadt und Landkreis Osnabrück e.V.

Was genau bieten Sie im Bereich der psychosozialen Versorgung/Selbsthilfe an?

Das AMEOS Klinikum Osnabrück steht für eine moderne, offene und vielfältige Psychiatrie in der Region Osnabrück. Erbaut auf dem Gelände eines ehemaligen Klosters vor fast 150 Jahren steht es als regionales Zentrum für psychische Gesundheit im Raum Osnabrück Menschen mit seelischen Krankheiten, Störungen und Behinderungen offen. Aufgabe ist die Behandlung psychisch kranker Menschen und die Wiedereingliederung in ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben im familiären, sozialen und beruflichen Bereich. Dabei kommen alle modernen therapeutischen Verfahren, wie Psychotherapie, Pharmakotherapie, Ergotherapie, Kunsttherapie, Musiktherapie, Sport- und Bewegungstherapie sowie professionelle Pflege zum Einsatz. Angehörige und Bezugspersonen werden hierbei stets in den Prozess mit einbezogen.

Gibt es etwas was Sie unseren Lesenden mitteilen wollen?

Im AMEOS Klinikum Osnabrück gelten die Prinzipien der inneren Differenzierung und Spezialisierung. Das bedeutet, dass die Bereiche und Stationen sowie die multiprofessionellen Teams jeweils einen Behandlungsauftrag für eine nach Störungsbild und Behandlungsbedarf definierte Gruppe von Patient*innen erhalten. Das ermöglicht eine störungsspezifisch zugeschnittene Therapie und Milieugestaltung für eine bestimmte Zielgruppe und eine Kontinuität in der stationären Behandlung. Das heißt, der/ die Patient*in wird auf einer Station aufgenommen, während der gesamten stationären Behandlungszeit dort betreut und von dort auch wieder entlassen. Es sind keine organisatorischen Verlegungen notwendig. Dadurch bleiben die Bezugspersonen und die therapeutische Konzeption erhalten, was für die Patient*innen ein großer Vorteil ist.

Wie empfinden Sie die Haltung innerhalb der Gesellschaft gegenüber psychischen Erkrankungen?

Wir erleben, dass unsere Patient*innen im Alltag aufgrund ihrer psychischen Erkrankung immer noch Stigmatisierung erleben und Ängste haben, offen damit umzugehen. Der Abbau von Vorurteilen, die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen und die umfassende Aufklärung sind somit eine wichtige Aufgabe für das AMEOS Klinikum Osnabrück. Seit vielen Jahren engagiert sich das Haus in vielfältigen Projekten, um das Thema „Leben mit psychischen Erkrankungen“ einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen sowie Schwellenängste und Vorurteile abzubauen.

Bündnis gegen Depression in Stadt und Landkreis Osnabrück e.V.

 

Wie sind Sie auf die MUT-TOUR aufmerksam geworden und seit wann sind Sie als

Kooperationspartner aktiv? Auf die MUT-TOUR sind wir durch das Deutsche Bündnis gegen Depression e.V. aufmerksam geworden. Außerdem führte die MUT-TOUR in den vergangenen Jahren bereits durch unsere Region. Durch Presseartikel und Aktionen rund um die Durchreise haben wir ebenfalls von der MUT-Tour erfahren. Da wir als Bündnis erst 2019 gegründet wurden, sind wir in diesem Jahr zum ersten Mal Kooperationspartner.

Was genau bieten Sie im Bereich der psychosozialen Versorgung/Selbsthilfe an? Als Bündnis gegen Depression im Raum Osnabrück verfolgen wir das Ziel, die gesundheitliche Situation depressiv erkrankter Menschen durch Vermittlung von Wissen in der Bevölkerung zu verbessern und so sozialer Stigmatisierung, unbemerkten Krankheitsverläufen und suizidalem Verhalten vorzubeugen. Neben Fortbildungen und Vorträgen rund um das Thema Depression, nutzen wir die Öffentlichkeitsarbeit, um über die Erkrankung aufzuklären und auf bestehende Hilfsangebote hinzuweisen. In unserem Gesprächsforum Depression bieten wir regelmäßig die Möglichkeit eines moderierten Austausches für Interessierte, Betroffene und Angehörige. Wir arbeiten eng mit der Selbsthilfekontaktstelle des Gesundheitsdienstes für Landkreis und Stadt Osnabrück zusammen und vermitteln bei Wunsch Kontakte zu den Gruppenangeboten. In unserem Bündnis haben sich viele relevante Organisationen der psychosozialen Versorgung zusammen gefunden, so dass wir auf ein starkes Netzwerk in unserer Arbeit zurückgreifen können.

Hier findest Du den Angebotsflyer des Bündnisses.

Gibt es etwas was Sie unseren Lesenden mitteilen wollen? Wir freuen uns über alle Personen, die Interesse haben in unserem Verein mitzuwirken und die Arbeit zu gestalten. Unsere Mitgliederschaft besteht aus Betroffenen, Angehörigen und Vertreter*innen aus Institutionen der psychosozialen Versorgung. Gemeinsam möchten wir in unserer Region wirksame Arbeit im Sinne der oben genannten Ziele auf den Weg bringen. Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf! 

 

Bündnis gegen Depression in Stadt und Landkreis Osnabrück e.V.

Geschäftsstelle:

Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück

Am Schölerberg 1

49082 Osnabrück

Telefon: 0541/501-4989 (Dienstags von 14:00-16:00 Uhr)

info@os-gegen-depression.de

www.os-gegen-depression.de

 

Wie empfinden Sie die Haltung innerhalb der Gesellschaft gegenüber psychischen Erkrankungen?

In unserer Arbeit erleben wir immer wieder das Betroffene oder Angehörige von stigmatisierenden Erlebnissen im Alltag berichten. Wir haben den Eindruck, dass häufig falsches bis kein Wissen über die Entstehung und Behandlung psychischer Erkrankungen dafür der Grund sein könnte. Deswegen halten wir die Aufklärung der Öffentlichkeit als besonders wichtig für unsere Arbeit. Zugleich erleben wir immer mehr Interesse an Themen rund um die psychische Gesundheit und auch eine Bereitschaft über Erfahrungen zu berichten und dem Thema Raum und Zeit im öffentlichen Diskurs zu erlauben. Eine wünschenswerte Entwicklung wie wir finden.  

Bündnis gegen Depression Osnabrück

Gesundheitscoaching Osnabrück – Doris Ostermann stellt ihr Angebot vor

 

Wie sind Sie auf die MUT-TOUR aufmerksam geworden und seit wann sind Sie als Kooperationspartner aktiv?

Ich bin seit der Gründung des „Bündnis gegen Depression in Stadt und Landkreis Osnabrück e.V.“ als Kooperationspartnerin und Mitglied dabei. In diesem Zusammenhang habe ich von der MUT-TOUR erfahren und halte dieses Projekt für sehr unterstützenswert.

Was genau bieten Sie im Bereich der psychosozialen Versorgung/Selbsthilfe an?

Als selbständige Beraterin, Supervisorin und Gesundheitscoach lerne ich regelmäßig Menschen kennen, die an einer Depression erkrankt sind oder sich in einer depressiven Phase befinden. Einer meiner Schwerpunkte meines beruflichen Tuns ist die Beratung von berufstätigen Menschen am Arbeitsplatz. Ich arbeite als externe Beraterin mit einigen Unternehmen zusammen und biete für diese die externe Mitarbeiterberatung an: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können sich bei privaten und beruflichen Belastungen anonym auf Kosten des Arbeitgebers an mich wenden. Hier werde ich nicht selten mit der Frage konfrontiert: „Soll ich meinem Arbeitgeber sagen, dass ich psychisch erkrankt bin, dass ich eine Depression habe? Was denkt er dann von mir? Muss ich mir Sorgen um meinen Arbeitsplatz machen?“. Neben dem Finden von individuellen Antworten erarbeite ich mit den Betroffenen wirksame Strategien, um weiterhin mit Freude und Leistungsfähigkeit die Aufgaben zu bewältigen. Daneben leite ich Schulungen für die Führungskräfte zum Umgang mit psychisch erkrankten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sowie Workshops, die darauf abzielen, Führungskräfte für das Entstehen von psychischen Erkrankungen und deren Auswirkungen am Arbeitsplatz zu sensibilisieren.

Gibt es etwas was Sie unseren Lesenden mitteilen wollen?

Es ist keine Schwäche, sich Hilfe zu holen. Es ist eine Stärke, sich einzugestehen, dass „man“ sich gerade schwach fühlt und sich unterstützen lässt. Meine Erfahrung ist, dass die Fähigkeit „Ich hole mir Hilfe“ eine Kompetenz ist – als erster und wichtigster Schritt zur Verbesserung!

Gesundheitscoaching Doris Ostermann

BARMER, Geschäftsstelle Jena

 

Wie sind Sie auf die MUT-TOUR aufmerksam geworden und seit wann sind Sie als Kooperationspartner aktiv?
Die BARMER unterstützt die MUT-TOUR bereits seit 2014. Dieses Projekt wird gehostet von der Deutschen Depressionsliga e.V. (DDL), dem Selbsthilfeverband für Menschen mit Depression und deren Angehörige. Die DDL beantragt für förderwürdige Projekte Zuschüsse bei den Krankenkassen, was die Aufmerksamkeit der BARMER auch auf die MUT-TOUR gelenkt hat. Seit kurzem gibt es zu dieser Selbsthilfe-Kampagne auch eine BARMER-Website: www.barmer.de/a005249.

Was genau bieten Sie im Bereich der psychosozialen Versorgung/Selbsthilfe an?
Die BARMER kooperiert deutschlandweit mit zahlreichen Partnern und unterstützt vielfältige Projekte. Im Folgenden eine kleine Auswahl, aufgrund der aktuellen Situation bevorzugt digitale Angebote zur Selbsthilfe.

  • Das Diskussionsforum Depression bietet professionell moderierte Online-Selbsthilfe für Erwachsene, das Forum FIDEO richtet ein solches Online-Angebot an Kinder und Jugendliche. Beide Projekte werden von der BARMER gefördert.
  • Nicht unerwähnt bleiben soll auch „Kopfsalat“. Der Freunde-fürs-Leben-Podcast über Depressionen, Gefühle und den ganzen anderen Salat im Kopf erscheint monatlich und ist auf frnd.de sowie auf iTunes, Spotify und Deezer abrufbar. Der Podcast ist ein Projekt der Deutschen DepressionsLiga und wird finanziell gefördert durch die BARMER.
  • Ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Deutschen Depressionsliga werden Arbeitgeberseminare mit von Depression Betroffenen angeboten, um Personalverantwortliche für das Thema zu sensibilisieren.
  • Sensible Einsichten in die Innenwelten der Depression liefert das Foto-Buch „Mal gut, mehr schlecht“ von Nora Klein aus Erfurt. Die Deutsche DepressionsLiga hat mit Unterstützung der BARMER und der Town & Country Stiftung den Bildband der Fotografin Hatje Cantz Verlag veröffentlichen können.  Seit 2018 reist das Projekt in Form einer Vortragsreihe durch ganz Deutschland.

Gibt es etwas was Sie unseren Lesenden mitteilen wollen?
Menschen sind verschieden, Erkrankungen sind verschieden. Für mehr Toleranz und ein gesundes (Selbst-) Bewusstsein eines jeden Individuums! Die BARMER unterstützt daher aus Überzeugung und Verantwortungsbewusstsein Vorhaben, die die Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen stärken.

Wie empfinden Sie die Haltung innerhalb der Gesellschaft gegenüber psychischen Erkrankungen?
Die Stigmatisierung von vulnerablen Randgruppen ist ein gesellschaftliches Problem. Sie steht der Genesung von Betroffenen entgegen.

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Netzwerk zur Suizidprävention in Thüringen (NeST)

stellt das Angebot vor

 

Wie sind Sie auf die MUT-TOUR aufmerksam geworden und seit wann sind Sie als Kooperationspartner aktiv?

Nach Gründung des Netzwerkes zur Suizidprävention (NeST) 2018 haben wir in Jena über die MUT-TOUR erfahren und uns gleich im Rahmen eines Aktionstages daran beteiligt. Im darauffolgenden Jahr nutzten wir mit unseren Kooperationspartnern hier die Gelegenheit, die MUT-TOUR in Jena wieder auf die Beine zu stellen.

Was genau bieten Sie im Bereich der psychosozialen Versorgung/Selbsthilfe an?

Das Ziel des Netzwerks zur Suizidprävention in Thüringen (NeST) besteht darin, sowohl den direkt Betroffenen, als auch den (in)direkt involvierten Personen und Institutionen Unterstützung zu bieten. Das NeST, welches über das Bundesministerium für Gesundheit finanziert wird, basiert dabei auf einer Kooperation der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Jena mit den Thüringen-Kliniken „Georgius Agricola“ in Saalfeld, dem Asklepios-Fachklinikum Stadtroda sowie dem Helios Fachklinikum Hildburghausen. Auf dieser Basis sollen die an der Betreuung und Behandlung suizidgefährdeter Personen beteiligten Institutionen enger vernetzt und unterschiedliche Hilfsangebote auf- und ausgebaut werden.

Gibt es etwas was Sie unseren Lesenden mitteilen wollen?

Im Spannungsfeld zwischen den Betroffenen, Angehörigen und Behandlern sehen wir einen weiteren Schwerpunkt unserer Arbeit. Hier müssen weiterhin Kommunikationsstrukturen geschaffen werden, um Verständnis füreinander aufzubauen. In den vergangenen Jahren ist es dem NeST gelungen solche Kommunikationsstrukturen zu schaffen. Durch diverse Veranstaltungen und Schulungen konnten wir einen Beitrag leisten, damit Frühsymptome

rechtzeitig erkannt werden können und was man in einem konkreten Fall tun kann. Das Vermitteln, dass man in einer solchen Lage als Betroffener, Angehöriger und auch als Behandler nicht allein ist und einem weitere Hilfemöglichkeiten zur Verfügung stehen, war hierbei von zentraler Bedeutung. (https://www.nest-thueringen.de/hilfsangebote/) Darüber hinaus konnte durch unser spezifisches Psychotherapieprogramm eine Behandlungsverbesserung erreicht werden.

Wie empfinden Sie die Haltung innerhalb der Gesellschaft gegenüber psychischen Erkrankungen?

Es besteht, beim Großteil der Gesellschaft, zu wenig Wissen und Erfahrung im Umgang mit Menschen, welche unter einer psychischen Erkrankung leiden. Dadurch entstehen u.a. Unsicherheiten und Vorurteile. Deshalb ist es so wichtig, dass es Aktionen wie die MUT-Tour gibt!

Diako Thüringen Zentrum für seelische Gesundheit in Jena

 

 

Wie sind Sie auf die MUT-TOUR aufmerksam geworden und seit wann sind Sie als Kooperationspartner aktiv?

Aufmerksam geworden auf die Mut Tour ist der Träger des Zentrums die DIAKO Thüringen 2014 über unsere Prokuristin und hat unserem Team die Beteiligung vorgeschlagen. Das Zentrum für seelische Gesundheit hat sich seither sehr gern vier Mal an der Tour mit Infostand, Mitfahraktion und Unterkunftsvermittlung beteiligt. 

 

Was genau bieten Sie im Bereich der psychosozialen Versorgung/Selbsthilfe an? 

Das Zentrum für seelische Gesundheit bietet:

Psychosoziale Beratungsstelle

  • Einzelberatung für Menschen in Lebenskrisen und/oder psychisch erkrankte Menschen
  • Angehörigenberatung
  • Haus- und  Klinikbesuche
  • Krisenintervention
  • Alltagspraktisches Training und Gruppenangebote
  • Beratung bei Behördenangelegenheiten
  • Unterstützung bei Kontakten mit Behörden, Vermietern oder Ärzten
  • Koordination von Hilfen; Vermittlung zu anderen geeigneten Angeboten

Angebote der Begegnungsstätte – Café 13

  • Café mit festen Öffnungszeiten an jedem Werktag und an einem Sonntag  im Monat
  • offene Gruppenangebote bspw. Achtsamkeitsgruppe, Kreativgruppen, Gartengruppe, Kochgruppe, Wandergruppe
  • musikalische Veranstaltungen z.B. Liedernachmittage
  • Informationsveranstaltungen zu vielfältigen Themen bspw. zur Gesundheit
  • Gesprächsgruppen zu alltagspraktischen Themen und zur Krankheitsbewältigung
  • Entlastungsgespräche
  • Sonntagsausflug mit Zielen in der Region, alle zwei Monate
  • christlich-diakonische Angebote z.B. Besinnung und Gestaltung kirchlicher Jahreszeitenfeste, wie Erntedank

 

Gibt es etwas was Sie unseren Lesenden mitteilen wollen?

Immer wieder gibt es die Erfahrung, dass trotz schwerer psychischer Krisen sich eine  Genesung einstellt. Daher die Ermutigung an alle Betroffenen: Holen Sie sich Hilfe, es gibt viele psychosoziale und therapeutische Angebote, bestimmt ist etwas Passendes vorhanden! Wir wünschen Mut und Kraft zum ersten Schritt.

 

Wie empfinden Sie die Haltung innerhalb der Gesellschaft gegenüber psychischen Erkrankungen?

Durch Aktionen wie die Mut-Tour und vielfältige Informationen gibt es mittlerweile allgemein viel mehr Wissen und Aufklärung über psychische Erkrankungen in der Gesellschaft. Dadurch wird diese Thematik immer mehr als ein normaler Bestandteil der menschlichen Existenz wahrgenommen und akzeptiert.

DiakoThueringen_Logo

Die erfahrungsexperten gUG – Beratung von Psychiatrie-Erfahrenen

 

 

Wie sind Sie auf die MUT-TOUR aufmerksam geworden und seit wann sind Sie als Kooperationspartner aktiv?
Wir kennen die MUT-TOUR schon seit ein paar Jahren durch die sozialen Medien und finden das eine ganz tolle Aktion! Wer weiß, vielleicht fahren wir in den kommenden Jahren auch mal mit.

Was genau bieten Sie im Bereich der psychosozialen Versorgung/Selbsthilfe an?

Die erfahrungsexperten gUG sind ein Team aus haupt- und ehrenamtlichen Psychiatrie- und Krisenerfahrenen, die in der psychischen Krise und Erkrankung allem voran die große Chance auf Wachstum und Entwicklung sehen.

Wir verfolgen das Ziel der Bekämpfung von Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Ein wichtiger Baustein unserer Arbeit sind Präventions- und Versorgungsangebote in Form von eigens entwickelten, zertifizierten Resilienztrainings. Weiterhin möchten wir mit Angeboten in Form von Workshops, Vorträgen und Diskussionsrunden und mittels Peer-Beratung über psychische Erkrankungen aus Betroffenen-Sicht informieren und aufklären.

Alle unsere Angebote basieren auf unserer eigenen Krisenerfahrung und dem Wissen und den Kompetenzen, die wir uns auf dem Weg der Genesung und Stabilisierung erarbeitet haben und heute an andere Betroffene und Angehörige weitergeben.

Seit Januar 2019 sind wir als gemeinnützige Unternehmergesellschaft eingetragen.

Gibt es etwas was Sie unseren Lesenden mitteilen wollen?

Schon seit einigen Jahren werden vermehrt Erfahrungsexpert*innen, auch Peer-Berater*innen oder kurz Peers genannt (aus dem Englischen: Gleichrangige, Ebenbürtige) im psychosozialen und psychiatrischen Bereich ausgebildet und eingesetzt. Sie beraten oder begleiten Betroffene und teilen dabei vor allem auch ihre eigenen Erfahrungen. Sie können eine ganz besondere Kraft und Stärke spenden, denn sie sind der Beweis dafür, dass man sich mit Mut und Hartnäckigkeit seinen eigenen Themen stellen und Krisen bewältigen kann. Darin steckt enorm viel Energie und Potenzial, Hoffnung und Perspektive.

Erfahrungswissen – Zusatzqualifikation statt Stigma. Es existieren noch immer Vorurteile, Scham und Schweigen. Noch immer trauen sich viele Betroffene, gerade im beruflichen Umfeld, nicht über ihre Erkrankung zu sprechen. Zu groß ist die Angst, in eine Schublade gesteckt zu werden. Es wird also höchste Zeit, dass unsere ganze Gesellschaft lernt, in Bezug auf psychische Erkrankungen umzudenken und den großen Vorteil, der Betroffenen durch Erfahrungsexpert*innen zugute kommt, erkennt.

Auf manche Erfahrungen hätten wir als Psychiatrie-Erfahrene gerne verzichtet, doch heute sind unsere Erfahrungen unverzichtbar. Ohne unsere Lebens- bzw. Krisenerfahrung stünden wir nicht hier und könnten nicht die Arbeit ausüben, der wir mit viel Leidenschaft nachgehen.

Unsere Krise war unsere Chance zu wachsen und zu blühen.

Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Eltern –

AMSOC Ambulante Sozialpädagogik Charlottenburg e.V.

 

 

Wie sind Sie auf die MUT-TOUR aufmerksam geworden und seit wann sind Sie als Kooperationspartner aktiv?

Wir sind durch unsere ehemalige ehrenamtliche Mitarbeiterin Franziska, die auch für die MUT-TOUR tätig ist, auf die MUT-TOUR aufmerksam geworden. Kooperationspartner sind wir seit 2018.

Was genau bieten Sie im Bereich der psychosozialen Versorgung/Selbsthilfe an? 

Deutschlandweit wachsen ca. 3,8 Millionen Kinder und Jugendliche mit einem psychisch erkrankten Elternteil auf. Die betroffenen Familien sind ganz besonders auf Hilfen angewiesen, die sich an ihrem individuellen Bedarf orientieren.

Wir vermitteln Kindern psychisch erkrankter Eltern ehrenamtliche Pat*innen. Wir stiften Patenschaften ab Geburt an. Unsere Patenschaften sind auf Dauer angelegt und werden von uns bis zur Volljährigkeit der Kinder fachlich begleitet.

Die ehrenamtlichen Pat*innen werden von uns ausgewählt und geschult. Sie treffen sich mindestens einmal in der Woche mit ihrem Patenkind bei sich zuhause oder unternehmen etwas mit ihm. Einmal im Monat ermöglichen sie ihrem Patenkind eine Übernachtung bei sich zuhause. In Krisenzeiten der Eltern geben sie ihrem Patenkind auch ein Zuhause auf Zeit. Die Pat*innen sind dazu bereit, ihr Patenkind bis zu acht Wochen bei sich aufzunehmen. Damit kann eine Fremdunterbringung des Kindes durch das Jugendamt vermieden werden und das Kind verbleibt in vertrauter Umgebung. Bereits die Gewissheit der geregelten Versorgung des Kindes im Krankheitsfall hat positive Auswirkungen auf den Genesungsprozess der Eltern.

In erster Linie aber gestalten die Pat*innen gemeinsame unbeschwerte, fröhliche Momente. Unsere Ehrenamtlichen geben ihrem Patenkind einen Einblick in ihren Alltag und in ihre Lebenswelt. Sie sind eine Vertrauensperson für ihr Patenkind und sie entlasten die Eltern bei der Kinderbetreuung.

Gibt es etwas was Sie unseren Lesenden mitteilen wollen?

Wenn Eltern psychisch erkranken, wirkt sich das auf ihre Kinder aus. Sie können die veränderten Verhaltensweisen ihrer Eltern nicht immer einordnen. Es kann Zeiten geben, in denen die Eltern die Bedürfnisse ihrer Kinder nicht wahrnehmen und sie nicht ausreichend versorgen können. Dann übernehmen die Kinder oftmals die Verantwortung für den familiären Alltag.

Die Erkrankungen wirken sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise aus. Deswegen erleben auch die Kinder sehr vielfältige Belastungen. Häufig entwickeln sie Verhaltensauffälligkeiten oder erkranken selbst.

Eine Patenschaft kann dabei helfen, die besondere Situation zuhause besser zu bewältigen. Pat*innen können als zusätzliche Bezugspersonen ein wichtiger Schutzfaktor für eine gesunde Entwicklung der Kinder sein. Das ist durch die Resilienzforschung gut belegt.

AMSOC-Patenschaften_logo

Selbsthilfeverband ApK Berlin e.V. – Unterstützung für Angehörige psychisch erkrankter Menschen

 

 

 

Worum geht es beim ApK Berlin?

„Hoffnung macht Sinn“ – Der Selbsthilfeverband ApK LV Berlin e.V. ist eine Anlaufstelle für Angehörige von Menschen mit psychischen Krisen und bietet Beratung von Angehörigen für Angehörige an. Er ist Ansprechpartner für alle Bürger*innen im Land Berlin.

Denn auch wenn hinsichtlich psychischer Beeinträchtigung einiges an Aufklärungsarbeit geleistet wurde, ist das Verständnis dafür in der Gesellschaft nicht gestiegen. Weiterhin ist das Thema tabuisiert und Familien mit psychischen Krisen sind noch immer der Marginalisierung ausgesetzt.

Um diese Prozesse der Isolation zu durchbrechen, hat sich der Verband vor 30 Jahren gegründet und bildet heute ein Netzwerk aus Angehörigen, das dabei hilft, ressourcenorientierte Perspektiven im Umgang mit seelischen Krisen zu entwickeln.

Auf gesellschaftlicher Ebene nimmt der Verband Einfluss auf die Weiterentwicklung des psychiatrischen Gesundheitssystems und ist stimmberechtigt vertreten in den entsprechenden Gremien Berlins. Dabei kooperiert er mit anderen Trägern der psychosozialen Landschaft. Auf individueller Ebene bietet er unabhängige und anonyme Beratung für Angehörige, unterstützt die Initiativen der Selbsthilfegruppen für Angehörige und organisiert öffentliche Informationsveranstaltungen und Tagungen zu speziellen Themen. Daraus entstand die Angehörigen-Akademie, deren Angebote

alle partizipativ entwickelt werden. Der Verband lebt im Wesentlichen von der Mitwirkung ehrenamtlich engagierter Angehöriger. Die Ehrenamtlichen werden auf ihre Tätigkeit vorbereitet, stetig weitergebildet und durch Supervision begleitet. Zentrales Element ist die Qualifizierung Angehörige zu Peer-Berater*innen.

 

Was will der ApK Berlin erreichen?

„Weil es sagbar ist“ – Noch immer unterliegen seelische Beeinträchtigungen einem Tabu. Wir machen das Tabu zum Thema und holen die Menschen aus ihrer Isolation und gehen in den dialogischen Austausch. Der Austausch findet im persönlichen Beratungsgespräch, in geschützten Gruppen oder in Form öffentlicher Veranstaltungen statt. Darüber hinaus nehmen wir Einfluss auf gesellschaftlicher Ebene durch politische Initiativen.

Ziel unserer Beratung ist es, die einzelne Person in ihrer Selbstwirksamkeit zu stärken, sie dabei zu unterstützen, ihre Ressourcen zu erkennen und zu aktivieren und ihre Handlungskompetenz im Umgang mit seelischen Krisen zu erweitern.

So wirkt die Stärkung des Individuums im Umgang mit psychischen Krisen auf natürliche Weise multiplikatorisch in allen ihren Lebensbereichen, sei es im privaten, öffentlichen oder im Arbeitsbereich und nimmt so langfristig Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse.

 

Welche Impulse gehen vom ApK Berlin aus?

„Angehörige beraten Angehörige“ – Angehörige sind Experten in eigener Sache. Sie verfügen über ein vielschichtiges Wissen bezüglich der Möglichkeiten und Grenzen in der Begleitung eines Menschen in psychischen Krisen, das bisher kaum Einzug in die bestehende Versorgung gefunden hat. Um das spezifische Wissen von Expert*innen des Miterlebens und Begleitens in das psychosoziale Versorgungssystem hineinzutragen und damit den Blick auf die sozialen Dimensionen zu schärfen, bietet der ApK LV Berlin e.V. eine Qualifizierung Angehörige zu Peer-Berater*innen an. 

 

Schließlich stehen Information und Aufklärung an erster Stelle, wenn man Angehörige nach ihren Wünschen fragt. Diesem Bedarf wird häufig unzulänglich nachgekommen.

Vor dem Hintergrund, dass der überwiegende Teil der Menschen mit psychischen Krisen in, von und mit der Familie lebt, sind Angehörige auf Information und Aufklärung angewiesen. Denn jede*r Angehörige begegnet den alltäglichen Herausforderungen mit höchst individuellen und kulturabhängigen Bewältigungsstrategien. Diese zu reflektieren ist schwierig, da sie in ihrer sozialen Verantwortung im ver-rückten Alltag häufig allein gelassen werden.

Wir sind Kooperationspartner von Einrichtungen der psychosozialen Landschaft Berlin´s und bieten bereits bei verschiedenen Trägern unabhängige Beratung an.

Zudem strahlt dieses Angebot in das Bundesland Brandenburg aus. Angehörige aus Brandenburg sind bereits Teilnehmende an der Qualifizierung im ApK LV Berlin e.V. und setzen ihre Kompetenzen für die Belange der Angehörigen in Brandenburg ein.

 

Was macht das Engagement innovativ?

„Stärken stärken“ – Wesentlicher Aspekt des Beratungsangebotes ist die Erfahrungskompetenz der Berater*innen. Der Unterschied von Peer-Support zu Angeboten von Professionellen liegt darin, dass sich Menschen begegnen, die einen ähnlichen Erfahrungshintergrund haben. Hierzu gehören die Erfahrung in der Begleitung schwerer seelischer Erschütterungen und in der Regel auch die Erfahrung mit professionellen psychiatrischen Hilfeangeboten. Peer-Beratung ist mehr als der Austausch von Lebenserfahrung und die Weitergabe von Information von Gleichen zu Gleichen: Peer-Beratung stellt sich parteilich auf die Seite der Ratsuchenden Person und stellt einen Zusammenhang zwischen der persönlichen Situation und den gesellschaftlichen Verhältnissen her. Peer-Beratung fördert Selbstbestimmung und Empowerment für Angehörige. Gerade im Bereich der Psychiatrie, in dem die Familien besonders stark mit Stigmatisierung, Diskriminierung und Entmutigung konfrontiert sind, bekommen das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Erfahrung von Solidarität und Verständnis eine besondere Bedeutung. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Unabhängigkeit dieses Peer-Beratungsangebotes, dass es den Anfragenden ermöglicht, sich zu öffnen und vorurteilsfrei in den Austausch zu gehen. Sie stellt die Ressourcen der Ratsuchenden in den Mittelpunkt und unterstützt den Prozess der Selbstermächtigung als auch die notwendige Unterstützung der Ratsuchenden. Die Peer-Beratung kann die Erreichbarkeit von

Angehörigen verbessern und den Zugang zu weiteren Hilfen und Maßnahmen erleichtern.

Mit der Multiplikatorenschulung sind die Teilnehmenden gestärkt, ihre Kompetenzen in allen Bereichen der psychosozialen Landschaft einzusetzen. Damit verfolgen wir das Ziel, durch eine aktive Beratungstätigkeit die Angehörigen in allen Bereichen der Versorgung, Lehre und Forschung zu fördern und damit ihr Erfahrungswissen in das psychiatrische Versorgungssystem miteinfließen zu lassen.

 

„Kein Mensch steht für sich allein“ – Die Zugehörigkeit zu einem Netzwerk stärkt die Resilienz des Einzelnen. Die Angehörigen aus ihrer Isolation holen zu können, mit ihnen in den Austausch zu gehen und gemeinsam ihre Erfahrungen zu reflektieren trägt enorm zur Entlastung bei, auch wenn die Belastungen im Alltag noch lange nicht abgenommen haben. Die herausragenden Momente sind die Rückmeldungen der Menschen aus der Peer-Beratung. Die Anfragenden erleben sich wieder in ihrer Kompetenz. Sie können anschließend ihre Rolle als Angehörige*r besser einordnen und lernen die alltäglichen Herausforderungen mit mehr Abstand zu betrachten, was zur Stärkung der Selbstwirksamkeit beiträgt.

 

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

„Einfach tun“ – Der ApK LV Berlin e.V. möchte das Expertenwissen der Angehörigen weiter fördern und den Bedarf nach umfassender und unabhängiger Information weiterentwickeln.

Psychiatrieverbund Oldenburger Land gGmbH 
Karl-Jaspers-Klinik

 

 

 

Wie sind Sie auf die MUT-TOUR aufmerksam geworden und seit wann sind Sie als Kooperationspartner aktiv?

Die Karl-Jaspers-Klinik ist als Initiator des lokalen Bündnisses gegen Depression Weser-Ems hat 2018 erstmals die Etappe in Oldenburg mitorganisiert. Gemeinsam mit dem Oberbürgermeister und mit Unterstützung durch den ADFC, die BEKOS, die Gemeinnützigen Werkstätten, die Zentegra u.v.m. haben wir die Radgruppe auf dem Rathausmarkt in Oldenburg in Empfang genommen. In sommerlicher Atmosphäre sind wir mit Teilnehmern und Passanten ins Gespräch rund um das Thema Depression gegangen.

Was genau bieten Sie im Bereich der psychosozialen Versorgung/Selbsthilfe an? 

Die Karl-Jaspers-Klinik ist ein Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik und stellt die psychiatrische Versorgung von rund 1 Millionen Menschen im Nordwesten Niedersachsens sicher. Mit der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie gehört die Karl-Jaspers-Klinik zur Universitätsmedizin Oldenburg. Etwa 21.000 (Fallzahl) Patienten werden jedes Jahr stationär, teilstationär oder ambulant in unseren Kliniken und Ambulanzen behandelt. Unser Einzugsgebiet umfasst die Landkreise Ammerland, Cloppenburg, Oldenburg, Vechta, Wesermarsch und Wittmund sowie die kreisfreien Städte Delmenhorst und Oldenburg. Besondere Therapieangebote bei Depressionen im vollstationären Bereich: CBASP, EKT und Mutter-Kind-Behandlung; bei mittelschweren Erkrankungen ist eine tagesklinische und wohnortnahe Versorgung und Behandlung möglich. Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.kjk.de

Gibt es etwas was Sie unseren Lesenden mitteilen wollen?

Alle Betroffenen und Angehörigen sollten den Mut nicht verlieren, sich zusammenschließen, über die Erkrankung reden und nicht zögern, sich Unterstützung zu holen.

Wie empfinden Sie die Haltung innerhalb der Gesellschaft gegenüber psychischen Erkrankungen?

Es gibt in der Gesellschaft nicht die Haltung gegenüber psychischen Erkrankungen. In den letzten Jahren hat sich viel im Bereich der Aufklärung und Vermittlung von Wissen zu psychischen Erkrankungen getan, das gesellschaftliche Bild hat sich gewandelt. Dennoch haben die Betroffenen häufig mit Vorurteilen und Schuldzuweisungen zu kämpfen. Auch innerhalb des Spektrums an psychischen Erkrankungen gibt es große Unterschiede, eine Depression wird dank der vielen Aufklärungsarbeit weniger stigmatisiert als beispielsweise eine Schizophrenie oder eine Suchterkrankung.