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Sucht und Depression – Gert, 57, hat beides in den Griff bekommen

Was sollen die LeserInnen sonst von dir wissen?

Ich bin überzeugter Veganer.

Was waren deine ersten Erfahrungen mit der Depression? In welcher Lebenslage ist die Depression bei dir zum ersten Mal aufgetreten?

Die ersten Jahre meines Lebens habe ich die angenehme Nähe zu meinen Großeltern erlebt, dann bekam mein Vater Arbeit und Wohnung in einem anderen Ort, 480 Kilometer entfernt. Als knapp Dreijähriger musste ich mein gewohntes Umfeld verlassen und irgendwie den Verlust meiner Großmutter als wichtigste Bezugsperson verkraften.

Worin siehst du die Ursachen deiner Depressionserfahrung?

Ich habe mich schon immerschwer getan, auf Menschen zuzugehen. Mithilfe von Alkohol und Nikotin fiel es mir leichter, die Welt zu ertragen. Ich habe als Kind gestohlen, gelogen und Unterschriften gefälscht. Weil ich keinen blassen Schimmer hatte, was ich mit meinem Leben anfangen will, habe ich mich von Lebenszyklus zu Lebenszyklus gehangelt, immer in der Hoffnung, dass es sich schon irgendwie richten wird.

Welche war deine größte Herausforderung in Bezug auf die Depression?

Nachdem ich immer häufiger und deutlicher erkennen musste, dass nicht ich den Alkohol beherrschte, sondern er mich, habe
ich 1990 zuerst aufgehört zu rauchen. Fünf Monate später habe ich aufgehört zu trinken und mich damit von meinen damals
wichtigsten beiden „Freunden“ getrennt.

Wie gehst du mit der Depression um, wenn sie erst mal da ist? Was hilft dir dann?

Meine Depression überfällt mich nicht, sie ist latent immer anwesend. Ich habe gelernt, mit ihr umzugehen und mit ihr zu leben, nach dem Programm der Anonymen Alkoholiker: „Nur für heute will ich versuchen, diesen einen Tag zu leben.“ Dabei helfen mir am besten: Radfahren, Laufen, Wandern, Inlineskaten oder Badminton. Hauptsache, ich mache den ersten Schritt runter von der Couch und fahre oder gehe los.

Was können Freunde und Familie tun, um dir zu helfen?

Meine damalige Frau und meine beiden Söhne haben mir in der ersten Zeit der Trockenheit unglaublich viel Halt gegeben. Auch heute sind die Jungs meine größten Stützen und Motivationsfaktoren. Meine Herkunftsfamilie war mir noch nie ein großer Halt und hat meist mit Unverständnis auf meine Befindlichkeiten reagiert. Freunde sind eher in definierten Zeiten gemeinsamer Unternehmungen eine Unterstützung.

Wie lautet dein „Lebensmotto“ bzw. Fazit?

Mein Lebensmotto hat sich gewandelt von: „Geht nicht gibt’s nicht!“ zu „Heute schon für dich gesorgt?“. Ich versuche viel mehr auf mich zu achten und mich so anzunehmen, wie ich bin.

Was möchtest du den LeserInnen noch mitgeben?

Du hast immer die Wahl! Jeder Tag ist wie eine neue Seite im Roman Deines Lebens und nur Du bestimmst, wie die Geschichte weitergeht. Vertrau Dir und es wird gut!

 

Auszug aus unserer im Mai 2018 erschienen Broschüre Unter besonderen Umständen

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