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Familie und Depression – Jutta,
 45, bleibt in Kontakt

Was sollen die LeserInnen sonst von dir wissen?

Begeisterte Liegeradfahrerin

Was waren deine ersten Erfahrungen mit der Depression? In welcher Lebenslage ist die Depression bei dir zum ersten Mal aufgetreten?

Früher konnte ich mit meinem Vater über alles reden. Dann hatte er einen Unfall, bei dem er fast gestorben wäre und sich in dessen Folge komplett verändert hat. Ich kannte ihn nicht mehr und meine Welt war aus den Fugen. Meine Trauer wurde zur Depression. Ich konnte mit niemandem mehr reden, habe mich ins Bett verkrochen und viel geschlafen. Mehr ging nicht.

Worin siehst du die Ursachen deiner Depressionserfahrung?

Innerhalb von zwei Jahren hatten meine beiden Elternteile lebensgefährliche Gehirnverletzungen, das war heftig. Aufgrund der Verletzungen hat sich ihr Wesen verändert, ich habe sozusagen „neue“ Eltern bekommen. Beides zusammen war zu viel. Ich habe versucht die Trauer wegzuschieben, sie hat mich aber wieder eingeholt und wurde zur Depression.

Welche war deine größte Herausforderung in Bezug auf die Depression?

Es war eine große Herausforderung mit anderen darüber zu reden, zum Beispiel mit Ärzten und Therapeuten. Mittlerweile kann ich professionellen Helfern sagen, wie es mir gerade geht und dass ich Hilfe brauche. Ich weiß jetzt wie ich überleben kann, auch wenn ich manchmal Suizidgedanken habe. In depressiven Episoden ist es immer wieder eine Herausforderung für mich, nicht dem Wunsch nachzugeben, mich nur noch im Bett zu verkriechen.

Wie gehst du mit der Depression um, wenn sie erst mal da ist? Was hilft dir dann?

Ich gehe viel raus, egal bei welchem Wetter. Außerdem sind Freunde und Familie dann wichtiger als zuvor. Ich habe gelernt, offen über meine Bedürfnisse zu reden.
Vor allem ist mir klar geworden, dass ich bereits vor der Episoden etwas tun sollte. Denn wenn ich ganz unten bin, ist es schwieriger, etwas anzufangen.

Was können Freunde und Familie tun, um dir zu helfen?

Nicht den Kontakt abbrechen, wenn von meiner Seite gerade nichts kommt. Auch wenn es mir schwerfällt den Kontakt aufrechtzuerhalten, bitte dranbleiben! Wichtig ist Treffen auszumachen, ansonsten kann ich mich nicht aufraffen rauszugehen.

Wie lautet dein „Lebensmotto“ bzw. Fazit?

Schlimmer kann es fast nicht mehr werden und wenn, komme ich damit auch zurecht. Es gibt immer einen Weg raus und ich muss mir nichts antun.

Was möchtest du den LeserInnen noch mitgeben?

Such dir professionelle Unterstützung, wenn du das Gefühl hast, nicht mehr weiter zu wissen. du musst nicht alles alleine schaffen.

 

Auszug aus unserer im Mai 2018 erschienen Broschüre Unter besonderen Umständen

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