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Etappen-Tagebuch // Team Süd 2

01.07.19 // Tag 1

Nach dem ersten gemeinsamen Frühstück, geht die Mut Tour fürs Team Süd 2 am Montag früh los. Wir haben uns erst gestern alle in Regensburg kennengelernt – bei der großen Hitze haben wir Taschen eingepackt, Organisation diskutiert und schon schön unter den Sternen geschlafen.

Heute haben wir „nur“ 55 km zu radeln und fahren entspannt zu unserem ersten Presse-Termin mit der Donau Post bei der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (KISS) los.

Um 11 Uhr fahren wir nach Matting, begleitet von ca. 15 Radfahrer, die an der Mitfahr-Aktion teilnehmen. Nach einer entspannten Pause im Biergarten (mit alkoholfreiem Bier!), geht es weiter mit nur 23 km bis Kelheim, wo uns der nächste Termin erwartet.

Während wir uns in der Donau kurz abkühlen, sammeln sich schnell die Regenwolken und das versprochene heftige Gewitter fängt an. Es regnet und donnert kräftig, und große Hagelkörner schlagen auf uns ein. Als das Schlimmste vorbei ist, schieben wir die Räder bis unter einen Unterstand. Liebe Menschen lassen uns dort unterstellen und bringen uns sogar Kaffee zum Aufwärmen.

Obwohl der Sturm eine zeit lang nicht nachlässt, irgendwann wird der Himmel doch klar und wir finden unseren Weg bis Kelheim. Die Feuerwehr fährt vorbei, Menschen pumpen ihre Keller aus. Genau wie in der St.Pius Pfarrgemeinde, wo wir aber desto trotz einen warmen Platz zum Schlafen bekommen.

Ein absolutes Highlight.

Die Stimmung bleibt weiterhin gut, die Wolken sind weg und morgen kann die Tour weitergehen.

02.07.19 // Tag 2

Am zweiten morgen zusammen geht es uns gut – wir haben heute die letzten 18 km von Kelheim bis Abensberg nachzuholen und machen uns schnell auf den Weg. Vom gestrigen Gewitter ist nur noch ein angenehmer Wind geblieben, der uns begleitet, als wir bei knallender Sonne Berge hoch- und runterfahren.

Beim ersten Halt in Abensberg treffen wir eine nette und mutige Frau, die sich spontan entscheidet, mit uns ein Paar Kilometer mitzufahren. Sie verlässt uns kurz vor Bibung und wir fahren durch die Hopfenfelder zu unserem Treffen mit der Hallertauer Zeitung in Mainburg.

Nach der Eis-Pause kommen wieder Berge auf und ab, und wir radeln unter der prallenden Sonne bis nach Zolling, wo wir einkaufen und unsere Wasserflaschen wieder auffüllen. Wir bekommen noch den Tipp, dass ein schöner See nicht weit entfernt liegt. In der Nähe finden wir sogar einen tollen Schlafplatz für heute Abend.

So weit, so gut.

03.07.19 // Tag 3

Die Sonne ist auf und der dritte Tag der MUT-TOUR geht für das Team Süd 2 los. Zelte werden eingepackt, Frühstück wird auf einer Sitzbank am See vorbereitet und dann sind wir auf dem Weg nach Freising, wo wir uns um 10:30 Uhr mit Journalisten bei der Caritas-Sozialstation treffen. Wir fahren eine lange anstrengende Bergstrecke hoch und sind gleich unten in der Stadt, eine ganze halbe Stunde zu früh.

Die Caritas Mitarbeiter haben einen schönen Informationsstand vorbereitet, Ballons aufgehängt und ein großes Buffet hergerichtet. Sie sind froh uns zu sehen, es wird gelacht und getrötet. Es ist ein richtiges Highlight für uns und lässt uns die negativen Erlebnisse mit zwei Menschen, die uns vorher begegnet sind, schnell vergessen.

Nach den Interviews begleitet uns auf dem Weg eine Frau, die sich für eine kurze Mitfahr-Aktion angemeldet hat. Die Richtung ist Dachau, wo uns die nächsten Journalisten erwarten.

Wir müssen dort aber erst den Treffpunkt finden – unsere Navi sagt, wir müssen Treppen hochsteigen, dann fragen wir lieber nach. Aber die Bewohner wissen nichts vom Schrannenplatz? Am Ende findet uns der Fotograf selbst und zeigt uns den Weg.

Wir gönnen uns nach den Gesprächen noch einen Kaffee und frischen unseren Magnesiumhaushalt auf, denn langsam merken wir, dass die Muskel ein wenig müde sind. Weiter geht es zum Amlersee – Baden ist wieder ein Highlight unseres Tages.

Wir übernachten neben einer Gaststätte in Olching, wo Mückenschwärme um uns herum fliegen. Vom Kopf bis Fuß bedeckt und mehrmals gegen Mücken eingesprüht, essen wir schnell und gehen zum Spielplatz rüber, wo es wesentlich besser sein solle. Die Mückenplage ist unverändert, aber bei den Sportgeräten haben wir einen Riesenspaß und gehen zufrieden ins Bett.

04.07.19 // Tag 4

Heute frühstücken wir am Spielplatz, früh und schnell, bevor uns die Mücken wieder entdecken. Das nächste Treffen haben wir in   Fürstenfeldbruck. Obwohl Muskeln und Hintern sich ab und zu melden, wird schnell geradelt und wir kommen wieder eine halbe Stunde früher als angekündigt an.

Unser Termin fällt aber leider aus. Wir entscheiden uns für eine kurze Pause, damit wir Mückenspray, Insektenspiralen und Muskelsalbe besorgen und Wasserflaschen auffüllen können.

Als wir losfahren wollen, stellt sich heraus, es ist doch jemand unangekündigt zum Treffpunkt gekommen und wieder ins Büro gefahren. Dann warten wir kurz auf ihn und gucken uns eine kuriose Hochzeitszeremonie an.

Die nächste Stadt auf unserer Tour ist Landsberg am Lech. Dort fragen wir nach einer schönen Badestelle an der Lech. Leider haben wir uns missverstanden – einige fahren fort, die anderen bleiben bei einer früheren Badestelle. Kurz ausdiskutiert und demokratisch mit Mehrheit entschieden klären wir das Ganze. Dass wir erst am vierten Tag einen kleinen Konflikt haben, finden wir alle großartig, und bleiben nicht lange bei dem Thema, da wir noch einkaufen und einen Schlafplatz suchen müssen.

In Erpfting am Lech treffen wir eine Frau mit ihrer Tochter, die uns sagen, dass der „Karli-Bauer“ sehr nett sei und bei ihm könne man vielleicht nachfragen. Der „Karli-Bauer“, nämlich der Bauer Karl, und seine Frau sind tatsächlich ein sehr nettes Ehepaar und lassen uns bei ihnen übernachten und ihre Toilette benutzen.

Die Mädels machen Yoga und meditieren unter den Sternen, und die Jungs führen ein Gespräch übers Thema Depression mit den Gastgebern. Wir gehen alle ein bisschen später ins Bett, aber dafür mit dem Tag zufrieden – wir haben das Gefühl, die Gruppe nähert sich, und mehrere persönlichen Erfahrungen, Ängste und Empfindungen werden mitgeteilt.

05.07.19 // Tag 5

Am fünften Tag merken wir ein bisschen Spannung in den Beinen, ein wenig Schmerzen beim langen Sitzen, und feiern es jedes Mal, wenn wir über einen Hügel kommen. Heute wurden wir früh von den Arbeitsgeräuschen am Bauernhof geweckt und bewegen uns in Richtung Buchloe.

Es geht uns allen heute morgen nicht so besonders gut und nach unserem Treffen mit dem Fotografen wird entschlossen, die Strecke heute langsam und entspannt nach Mindelheim zu radeln. Es sind nicht so viele Höhenmeter vor uns, aber die Kombination aus der Müdigkeit, der Hitze und den vielen Bergen ist schon eine große Herausforderung.

In Mindelheim kommen wir trotzdem pünktlich an, und treffen uns mit einer freundlichen Journalistin. 

Kurz vor Memmingen, ungefähr 10 km davon entfernt, entscheiden wir uns eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen und wünschen uns wieder einen privaten Bauernhof. Und als wir in Westerheim durch die Höfe radeln, kommen zwei Menschen auf uns zu und fragen, ob sie uns behilflich sein können. Nach einem kurzen Gespräch, haben wir nicht nur eine tolle Wiese zum Übernachten, sondern auch eine Holzterrasse, eine Toilette und ein Lagerfeuer. Mehr kann man sich nicht wünschen.

Kurz nach dem Essen kommen mehrere Nachbarn vorbei, die auf uns aufmerksam geworden sind oder  die von unserem Gastgeber angerufen wurden. Es werden interessanten Gespräche geführt und im Anschluß schlafen wir mit den letzten Lagerfeuerglimmen ein.

05.07.19 // Tag 6

Der vorletzte Tag ist unsere größte Herausforderung. Von Anfangs an wissen wir, dass wir am Samstag die längste Strecke vor uns haben, und dabei sehr viele Höhenmeter zurücklegen müssen. Manche von uns haben bereits die Angst, dass die Muskeln und vor allem der Kopf die Belastung nicht aushalten.

Erst fahren wir aber die letzten zehn Kilometer bis Memmingen, die sich bei einer Steigerung von nur 60 Metern ziemlich leicht fahren. Die Fußgängerzone im Zentrum ist voller Menschen – es ist Floh- und Trödelmarkt-Tag. Wir treffen uns kurz mit dem Fotografen und sind froh, bald raus aus der Stadt zu sein.

Unser Presse-Termin in Leutkirch ist leider ausgefallen, dort müssen wir nur ein Foto aufnehmen. So ist die anstrengende Fahrt über die Hügel dahin doch ein bisschen entspannter und sogar von einer kurzen Badepause in der Iler begleitet. Wir kommen trotzdem im geplanten Zeitraum an, füllen unsere Flaschen an dem Trinkbrunnen auf und holen Energie von den hausgemachten Kuchen beim Cafe der blaue Affe.

Bis Ravensburg sind es noch ganze 34 Kilometer und wir entscheiden, solange wie möglich zu fahren, und den Rest morgen nachzuholen. Dabei ist Schlier-Erbisreute als Ankunftspunkt geplant, jedoch hat das Wetter wieder eine andere Idee und starker Wind schlagt ein. Wir befürchten vom Sturm wieder mitten im Wald erwischt zu werden, deswegen halten wir bereits in Kißlegg. 

Wir werden auf dem Straßenfest von einem netten alten Ehepaar angesprochen, die uns beim Gewitter einen Schlafplatz im Haus anbieten. Wir wurden recht herzlich von ihnen aufgenommen und dürfen kochen, auf der Terrasse essen und schön indoor übernachten.

06.07.19 // Tag 7

Es ist fünf Uhr morgens und das heftige Gewitter, das gestern vorbeigezogen ist, ist zurück in Kißlegg gekommen. Es regnet und donnert kräftig, und die Diskussion, ob wir den Zug nach Friedrichshafen fahren müssen, findet beim Frühstück statt.

Unsere Unterkunftgeber sind sehr freundlich zu uns und haben sogar heute morgen den Tisch bereits gedeckt. Wir frühstücken zusammen, dann nehmen wir den Zug Richtung Friedrichshafen. Dabei ist das Einsteigen, Aussteigen und vor allem das Umsteigen von Gleis 4 zu Gleis 1 ohne Aufzug eine neue Herausforderung.

Obwohl wir unser Ziel erreicht haben, sind wir doch ein bisschen enttäuscht, dass wir wetterbedingt nicht die volle Strecke radeln durften.

Wir treffen uns mit einer Freundin der Mut-Tour und fahren im Anschluss zur Erlösergemeinde. Dort wird zuerst gegessen, dann ein kurzes Kicker-Tournament geführt, und am Ende wird das Gepäck sortiert und die Tandem-Räder vor der nächsten Etappe geprüft und gereinigt.

Es ist noch Geld in unserer Essenkasse und wir entschieden uns, in einer Pizzeria unser Abendbrot zu haben. Danach werden Musik, Kicker und Tischtennis gespielt. 

Ein bisschen traurig sind wir – die Gruppe hat uns ans Herz gewachsen. Wir freuen uns aber, die nächsten Etappen unseres Lebens zu bewältigen, oder auf die nächste Tour, oder wieder mal zu hause zu sein. Wir nehmen viel von dieser Erfahrung nach hause mit und sind glücklich, dass alles so reibungslos funktioniert hat. Einige Ängste wurden angesprochen, bei anderen wurde sogar der Versuch gemacht, diese zu bewältigen. 

Wir hoffen, im Konfakt zu bleiben, und uns mal wieder zu sehen.

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