Angehörige von Menschen mit psychischen Krisen - MUT-TOUR

Informationen

für Angehörige von Menschen mit psychischen Krisen

Für Menschen mit persönlichen Bindungen zu Betroffenen – von Eltern bis Kinder über Freunde und Arbeitskollegen – ist besonders der Erstkontakt mit einer psychischen Krise des Gegenübers mit viel Unsicherheit und Überforderung verbunden. Es braucht nicht sofort die hundertprozentig passende Reaktion auf einen Gefühlszustand, der schwer von außen nachzuvollziehen ist. Wichtig ist vielmehr offen der veränderten Situation gegenüberzutreten und einfach nur “da zu sein”! Dabei ist es auch nicht schlimm, wenn Fragen des Gegenübers erst einmal unbeantwortet bleiben. Schließlich können sich leicht dahin gesagte Aussagen in Ratschläge verwandeln, die anstatt Entlastung nur noch mehr Druck aufbauen. Um der betroffenen Person eine Stütze sein zu können, ist es wichtig sich in die Lebensrealität des nahestehenden Menschen einzufühlen und dazu braucht es, neben Einfühlungsvermögen, vor allem Informationen. Einerseits um das Krankheitsbild und dessen Auswirkung besser kennenzulernen, andererseits um das Hilfesystem verstehen zu lernen. Eine wertvolle Quelle ist hier das Wissen anderer Angehörige, dass bereits gut durch Interessenvertretungen und Selbsthilfegruppe zugänglich ist. Der Austausch mit erfahrenen Angehörigen bietet nicht nur Raum für den eigenen Gefühlszustand, sondern zeigt Lösungswege auf.

Oft ist es auch für Angehörige schwierig sich an sperrigen Diagnose-Begriffen entlang zu hangeln, die zudem durch Vorurteile geprägt sind. Hier bietet es sich an den Blick zu öffnen und den Betroffenen als Individuum wahrzunehmen, dass sich von dem klassischen Symptommuster abheben kann. Der Versuch Diagnosen und Symptome eher in Bildern zu beschreiben, hilft nicht nur dem Betroffenen sich besser verstanden zu fühlen, sondern ermöglicht dem Angehörigen sich in die Erlebniswelt des Gegenübers einfühlen zu können. Es macht tatsächlich einen Unterschied, ob gesagt wird: “Mein Partner wirkt auf mich depressiv!”, oder eher sein Zustand mit “Ich fühle mich von ihm abgeschnitten; als würden wir zwischen Milchglas stehen, dass die Sicht und den Kontakt stört.” beschrieben wird.

Geduld und Zeit spielen eine wichtige Rolle. Die Art, wie Angehörige und Betroffene miteinander umgehen, wird sich mit der Zeit entwickeln und es kann sich, wenn beide Seiten den Blick nach innen richten, zu einer Offenheit ausbauen. Jedoch müssen zu Beginn eher kleine Schritte gegangen werden. Auch ist der Weg des Akzeptierens nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für den Angehörigen entscheidend. Die Situation, wie sie ist zu nutzen, und dabei den Blick nach vorne nicht zu verlieren, ist eine Herausforderung, die jedoch mit Zeit und Geduld leichter zu bewältigen scheint. Ein gesundes Verhältnis zu Fürsorge sorgt dafür, dass der Betroffene sich nicht zu stark unter Druck gesetzt fühlt und die Selbstständigkeit sowie Autonomie bewahrt werden kann. Dem Betroffenen sollte zu verstehen gegeben werden, dass man als Angehörige da ist (in symptomfreien sowie in von Depression geprägten Phasen). Auch wenn es im ersten Moment seltsam klingen mag, so lohnt es, sich darin zu üben Hilflosigkeit aushalten zu lernen. Die “optimale” Lösung liegt nicht immer nahe und erneute Krisen lösen in ganz normaler Weise Frustration und ein Gefühl von Hilflosigkeit aus.

Sich um sich selbst sorgen, mit Ruhe, Hobbys und Austausch! – Schließlich hat jeder Angehörige wie auch Betroffene ein Recht auf Selbsthilfe und Austausch mit anderen Angehörigen um die eigene körperliche und psychische Grenzüberschreitung zu vermeiden. Unterstützungsangebote nutzen – es gibt mittlerweile genug Anlaufstellen angefangen vom Kontakt- und Beratungsstellen über Soziale Beratungen von diakonischen Diensten bis Angehörigen Vertretungen, siehe unsere Krisenlinks.

Weitere Informationen für Angehörige mit Beratungsangeboten:

Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker

einzelne Landesverbände des BApK

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen